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Kamelrennen mit und ohne Wüste

zum Kamelrennen Teil 2


Rennende Wüstenschiffe – das hat was für sich. In Deutschland gibt es ab und zu Kamelrennen zu Volksfesten oder im Rahmen besonderer Events. Dabei  sind diese Rennen alles andere als reine Gaudi, nicht nur wegen der unterschiedlichen Bedingungen.

KamelrennenIn der arabischen und nordafrikanischen Welt haben Kamelrennen, die die Nomadenvölker schon seit vielen hundert Jahren durchführen, einen völlig anderen Stellenwert. In den Wüstenregionen drehte sich einst das gesamte Leben rund um das Kamel, es war Transporter, Vermögen, Status, Überlebensgefährte. Die Zeit der Karawanen ist vorbei, inzwischen haben Autos viele arbeitende Kamele ersetzt.

Geblieben ist die ursprüngliche Faszination, ja sogar Verehrung für die Fähigkeiten des Kamels, sozusagen aus dem Stand heraus eindrucksvoll schnell in die Gänge zu kommen. Drumherum hat sich eine durchorganisierte Rennsportwelt  entwickelt, die vor allem in den  Golfstaaten zum luxuriösen Freizeitspaß für die Wüstensöhne und zum im Islam illegalen Wettparadies für viele Gutbetuchte geworden ist.

Allein in den Emiraten gibt es 15.000 Rennkamele, die allesamt bestens tierärztlich und pflegerisch versorgt werden wollen. Spezialisten für die Zucht von Rennkamelen verbinden heute das jahrhundertealte Wissen mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und sie sind gesuchte, umworbene Mitarbeiter. So sind rund um die Kamelrennen viele neue Arbeitsplätze entstanden, nach dem Ende des Ölbooms durchaus ein sehr gewünschter Effekt.

Für die eigentliche Rennarbeit beginnt das Training für ein junges Kamel, wenn es etwa ein Jahr alt ist, und mit drei Jahren darf es dann an den Start. Regelmäßige Trainingseinheiten gibt es in Sachen Gehorsam, Ausdauer und Muskelaufbau –  allerbestes Futter und regelmäßige Check-ups beim Veterinär inklusive. Sollte ein Kamel Siegergene in sich tragen, kann es durchaus für 10 Mio. Euro den Besitzer wechseln. Siegprämien werden gern  in Form von europäischen Luxuslimousinen ausgezahlt.

Da die Rennkamele keine andere Aufgabe haben, als ihren Besitzern zu Ruhm und Ehre zu verhelfen, führen die Tiere ein wahres Luxusleben. Trotzdem müssen sie auch das perfekte Gewicht auf die Rennbahn bringen. Sie sind wesentlich zierlicher, ihre Körper wirken eher schmächtig, und ihre Beine sind sehr, sehr schlank. Auch die Köpfe der Luxus-Kamele sind weitaus zierlicher als bei „normalen“ Kamelen .

In der Vergangenheit wurden die Rennveranstalter heftig kritisiert, weil sie Kinder als Jockeys auf die Kamele setzten. Das ist seit 2006 Geschichte und inzwischen finden professionelle Rennen statt, bei denen die Kamele durch Roboter gesteuert werden – in Europa verlässt man sich aber nach wie vor auf Reiter.

 

Roboter_auf_KamelNach einem zweitägigen Fasten darf sich das Kamel im Schatten und – ja wirklich – im Pool entspannen, um möglichst zu gewinnen. Davon kann auch der Job des Trainers abhängen. Am späten Nachmittag  starten die Rennen – ein bis drei Dutzend Kamele jagen über Distanzen von vielen Kilometern. Sie wirbeln  so viel Wüstensand auf, dass die Sicht schlecht und das Atmen schwierig wird. Jetzt braucht der faszinierte Zuschauer ein Auto, um hinterher zu rasen. Die Besitzer und die Rennfans begleiten in abenteuerlicher Fahrt das rasante Spektakel.  Da wird vom Jeep oder Pick-up aus intensiv und lautstark  angefeuert, gestikuliert und kritisiert, gelegentliche Autounfälle und tierische Totalausfälle eingeschlossen. Es geht ja schließlich um alles – also die Ehre.

Kamelrennen gibt es inzwischen auch hierzulande. Mit zu den Champions gehört unsere Leading Lady Suleika, die in Deutschland und Europa an mehreren Kamelrennen teilgenommen  hat. Sie ist wahrhaftig Europas schnellstes Rennkamel. Trainiert und ausgebildet wurde sie von ihrem Vorbesitzer, Herbert Stein, der eigentlich Pferdetrainer und Showreiter ist. Ende der 90er Jahre entdeckte er sein Herz für Kamele und bildet sie seitdem für Orient-Shows und Wettrennen, aber auch für das Therapiereiten aus.

 

Fortsetzung : Kamelrennen Teil 2 (hier klicken !)