Kamele im Orient
„Vertraue auf Gott, aber binde zuerst dein Kamel fest“ (arabisches Sprichwort)
Bereits im 3.Jahrtausend v.Chr. wurde das Kamel domestiziert. Im Orient ist es ein sehr geschätztes und wertvolles Tier, weshalb es auch noch heute oft Gegenstand von Redensarten, Dichtungen und Weisheiten ist. Seinen Ruhm verdankt das Wüstenschiff seiner Vielseitigkeit. Es wurde früher - und wird auch noch heute als Last- und Zugtier eingesetzt und gilt als Woll-, Milch- und Fleischlieferant. Für die Schwerarbeit werden bevorzugt kastrierte männliche Tiere eingesetzt. Als Zugtier dient das Kamel zum Ziehen von Lasten, zum Pflügen der Felder oder zum Wasserpumpen in Bewässerungsanlagen. Bis zu 150kg kann ein Lastdromedar tragen, auf Kurzstrecken sogar bis zu 400kg. Der starke Vierbeiner hat sich im frühen Orient als unentbehrliches Nutztier etabliert. Erst durch Kamelkarawanen wurden Handelsgeschäfte im Morgenland überhaupt möglich.
Auch das Militär machte sich das genügsame Tier zu Nutze. In den beiden Weltkriegen kamen Kamele als Reittiere zum Einsatz, und auch noch heute besteht in Rajasthan (Nordwestindien) ein mit Kamelen ausgestattetes Regiment. Von den Traditionen der Beduinen abstammend, die mit ihren Kamelen an religiösen Festtagen Wettrennen veranstalteten, sind Kamelrennen heute Symbol für orientalische Kultur und Sportereignisse. In der Rennsaison von Oktober bis April treten meist weibliche Jungtiere im Alter von 3-4 Jahren gegeneinander zum Wettlauf an. Zuchtrenntiere unterliegen einem harten Training und bekommen eine spezielle Kraftnahrung aus Honig, Datteln, Eier, Alfalfa und Gerste.
Die Beliebtheit von Kamelrennen im Orient ist mit der des Fußballspiels in den westeuropäischen Ländern vergleichbar. Scheichs geben häufig bis zu einer Million Euro für ein perfekt ausgebildetes Rennkamel aus. Bei einem der populärsten Kamel-Festivals, dem „Al Dhafra“ in den Vereinigten Arabischen Emiraten, gelang es einem Kamelhändler sogar, drei seiner Zuchtkamele für insgesamt 6,5 Millionen Dollar zu versteigern.
Neben Versteigerungen und Kamelshows finden auch Kochwettbewerbe statt, bei denen das beste Kamelgericht geehrt wird. Im frühen Orient galt das Kamel als wichtigster Wegbegleiter, ohne den ein Überleben in der Wüste nicht möglich gewesen wäre. Obwohl das Auto dem Kamel einige Lasten und Arbeiten abgenommen hat, ist das Wüstenschiff immer noch sehr in der orientalischen Kultur präsent und gilt als hoch geschätztes und geachtetes Tier.
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