Kamele in Deutschland
Kamele in Deutschland? Wüstentiere in Deutschland? Nun - manchmal spricht man ja von der Servicewüste in Deutschland. Damit kann aber bestimmt nicht Camel-City in der Oberpfalz gemeint sein. Dort genießen nicht nur die Kamele einen ausgezeichneten Service, sondern auch die Besucher, die sich hier rund um das Kamel informieren können.
Ein echtes Kamel hat fast jeder von uns schon gesehen - und das, obwohl Alt- und Neuweltkamele bei uns nicht in der freien Natur zu finden sind, denn zu ihren natürlichen Lebensräumen zählen Steppen, Halbwüsten und Wüsten. Trotzdem wurden einige Wüstenschiffe nach Deutschland eingebürgert. Zu Hause sind sie im Zoo, im Zirkus, bei Züchtern oder so wie bei uns, auf der Kamelfarm. Das Kamel ist da in erster Linie eine Touristenattraktion und dient auch als Reittier.
Denkt man an das heiße und trockene Klima der Wüste, dann könnte man meinen, dass es den Kamelen hier bei uns in Deutschland nicht so gut gefällt und es ihnen viel zu kalt ist. Kamele sind jedoch ganz besondere und sehr anpassungsfähige Tiere. So wie wir uns in der kalten Jahreszeit wärmere Kleidung anziehen, so passt sich das Kamel dem deutschen Klima an und legt sich ein wärmeres Fell zu. Außerdem ist es auf Grund seiner Herkunft bereits an hohe Temperaturschwankungen gewöhnt. In der Wüste ist es nichts Ungewöhnliches, wenn sich Tages- und Nachttemperatur um 50°C unterscheiden.
Man muss sich also keine Sorgen machen, wenn man im tiefsten Winter im Zoo vor dem Kamelgehege steht und die Exoten im Schnee herumstapfen sieht, denn Kamele sind „wintertauglich“ und können problemlos ganzjährig in Außengehegen gehalten werden. Viel wichtiger als das Klima ist für unseren Gast aus der Wüste, dass er in einem angemessenen Stall untergebracht ist und genügend Platz im Freien hat, um seinem Laufdrang nachgehen zu können. Auch Scheuermöglichkeiten und Wälzflächen sollten den Kamelen zur Verfügung stehen, damit sie nach dem Fellwechsel die Reste des Winterfells abscheuern können. Obwohl die meisten Kamele menschliche Zuneigung und Streicheleinheiten sehr genießen, sollten sie trotzdem nicht allein gehalten werden. Als Herdentier braucht das Kamel die Gesellschaft seiner Artgenossen, um sich wohlzufühlen.
An eine richtige Nutztierhaltung in Deutschland ist eigentlich nicht zu denken. Das Kamel ist eine karge Landschaft gewohnt und würde im deutschen Überfluss sehr schnell verfetten - es muss sich bei dem hiesigen ständigen Nahrungsangebot ja nicht auf lange Trockenperioden ohne Wasser und Grünfutter einstellen. Als Nutztier sind ihm in Deutschland andere Tiere weit überlegen. So gibt das Rindvieh mehr Milch, und gegen das Schwein als Fleischlieferant kann das Kamel auch nicht ankommen – insbesondere auch, wenn man die zahlreiche Nachkommenschaft einer Muttersau mit dem Einzelkind einer Kamelstute vergleicht. Würde man diese in Deutschland üblichen Nutztiere andererseits in die Heimat der Kamele bringen, würden sie dort mit den Lebensbedingungen überhaupt nicht zurecht kommen und sehr schnell eingehen.
Lediglich die Wolle liefernden Alpakas konnten sich als Nutztier in einer Nische in Deutschland etablieren. Es gibt sogar einen Zuchtverband. bei dem derzeit über 5.000 Alpakas registriert sind. Neben der Wolle wäre auch Kamelmilch ein Produkt, das zwar nicht nach der Menge, wohl aber wegen ihrer besonderen Qualität mehr Beachtung verdient. Dies scheitert aber daran, dass die Milch mit derzeitigen Mitteln nicht haltbar gemacht werden kann, ohne ihre Vorzüge beispielsweise bei der Behandlung von Allergikern zu verlieren. Auch der Tod in der Schlachterei wird für die Kamele in Deutschland nicht zur Horrorvision werden. Abgesehen davon, dass exotische Fleischsorten wie Pferdefleisch oft nur von wenigen Kennern geschätzt werden, liegt dies an der zu geringen Fortpflanzungsrate der Kamele. Da sind ihm die heimischen Nutztiere überlegen.
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