Kamele in Australien
Australien, der kleinste Kontinent, hat eine eigenständig entwickelte Tier- und Pflanzenwelt. Bestes Beispiel ist das Wappentier Australiens, das Känguru, das es sonst nirgends auf der Erde gibt. Das Innere Australiens, Outback genannt, ist ein recht trockenes Gebiet. Die Bewohner – meistens Eingewanderte aus Europa, die Ureinwohner Aborigines sind eindeutig in der Minderheit – konzentrieren sich auf die klimatisch günstigeren Küstenregionen. Das Landesinnere ist relativ dünn besiedelt.
Die Einwohner brachten einige Tierarten in das Land, die es dort vorher nicht gab: Hunde (Dingos), Katzen, Kaninchen – und auch Kamele. Diese eingeführten Tierarten haben kaum natürliche Feinde. Daher vermehren sie sich stark und machen den einheimischen Tierarten den Lebensraum streitig. Dies gilt auch für die Kamele. Mit bis zu einer Million Kamelen verfügt Australien über den weltweit größten Bestand an wild lebenden Dromedaren.
Das vermutlich erste Kamel wurde 1840 von den kanarischen Inseln nach Australien eingeführt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden insgesamt etwa 12.000 Kamele aus Pakistan, Indien und Nordafrika eingeführt. Meist wurden die Kamelführer gleich mit improtiert. Die Kamele dienten zur Erforschung des trockenen Landesinneren. Für die dortigen Bedingungen brachten sie ideale Voraussetzungen mit. Beim Eisenbahn- und Straßenbau, für die Versorgung von Bergwerken und Minen im unwegsamen Gelände, aber auch zum Transport von Gold, Diamanten, Wolle und Weizen aus dem Landesinneren an die Küste waren sie die richtigen Lasttiere.
Nach der Erschließung übernahmen Eisenbahnen und LKW diese Transportaufgabe. Die Kamele wurden überflüssig. Viele wurden freigelassen und verwilderten. Heute sind sie eine ernste Bedrohung für die heimische Tierwelt, fressen ganze Landstriche kahl und bedrohen auf der Suche nach Wasser sogar menschliche Siedlungen. Daher werden ernsthafte Bestrebungen zur Dezimierung des Bestandes ergriffen. Kameljäger treiben die wilden Herden zusammen und bringen sie zur Küste, wo sie geschlachtet werden. Kamelfleisch ist inzwischen ein willkommener Exportartikel geworden, insbesondere in Länder der arabischen Welt, wird aber auch in Australien selbst gegessen.
Kamelfarmen bieten für Touristen Ausflüge mit wieder domestizierten Kamelen an. Im Sport haben sich auch Kamelrennen in Australien etabliert. Die Jagd auf die Kamele, nur um den Bestand zu verringern, wurde inzwischen aber wieder eingestellt.
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