Ich bin ein Vikunja

Das Vikunja ist neben dem Guanako die zweite südamerikanische Kamelart, die wild lebt. Das Guanako bevorzugt die Grasebenen Argentiniens, das Vikunja fühlt sich dagegen in den Bergen der Anden in 3500 bis 5500 m Höhe zu Hause. Es ist kleiner und schlanker als das Guanako, hat aber dieselbe Färbung, oberseits hellbraun und unterseits weiß. Die Schulterhöhe beträgt etwa 100 cm, das Gewicht ca. 50 kg. Wie das Guanako lebt es in territorialen Familienverbänden, die von einem Männchen geführt werden.
Das Vikunja hat das feinste Fell der südamerikanischen Kamele. In Anpassung an die Kälte in den großen Höhenlagen ist es so dicht, dass es wie eine Isolierschicht wirkt. Die Wolle des Vikunja ist daher die wertvollste, wertvoller als die des wegen seiner Wolle als Haustier gehaltenen Alpakas. Sie gilt als die teuerste Wolle der Welt. Als sicher gilt, dass das Vikunja bei den Inkas zwar nicht als Haustier gehalten wurde, aber trotzdem als Nutztier galt. Die wild lebenden Herden wurden einmal im Jahr zu Tausenden in Gatter getrieben, um sie zu scheren. Danach wurden sie wieder freigelassen. Die feine Vikunja-Wolle war dabei der Kleidung des Inka-Adels vorbehalten.
Wie bei den Guanakos betrieben die spanischen Eroberer auch bei den Vikunjas eine rigorose Ausrottungspolitik und dezimierten den Bestand, um Platz für Weideland zu schaffen. Erst später erkannte man den Wert des Felles, was ein erneuter Grund zur Jagd auf die Tiere war. Bis 1965 ging ihre Zahl auf etwa 6000 zurück. Die danach eingeleiteten Schutzmaßnahmen haben zu einer deutlichen Erholung des Bestandes geführt, so dass das Vikunja inzwischen als nicht mehr gefährdet gilt.
Der Zoologe verwendet auch für das Vikunja den Oberbegriff „Lama“, den er allen südamerikanischen Kamelen gegeben hat. Das Vikunja heißt lateinisch Lama vicugna. Es ist dicht mit den anderen drei Neuweltkamelen verwandt, weist aber gegenüber diesen eine Besonderheit auf, die auf die noch schwierigere Ernährung in den Hochlagen zurückgeführt werden könnte. Die unteren Schneidezähne des Vikunjas wachsen wie bei Nagetieren nach. Durch genetische Forschung gilt heute auch als sicher, dass das Vikunja der Vorfahr des Alpaka ist.
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