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Eine Reise in das Innere des Kamels


Speise- und Verdauungstrakt der Kamele

Kamele sind bemerkenswert. Eine Reise in das Innere eines Kamels entlang seines Speise- und Verdauungstrakts bestätigt eindrucksvoll diese Behauptung. Beginnen wir unseren Ausflug mit dem Maul und Rachen eines Wüstenschiffes.


Mund und Rachenraum

Die Oberlippe eines Kamels ist gespalten und sehr beweglich. Mit ihr ist das Wüstentier in der Lage, Pflanzenteile auszuwählen und gezielt zu greifen. Selbst dornige Pflanzen kann es so verzehren. Die große Unterlippe hängt herab und schwingt beim Kauen ein wenig lässig hin und her. (Zuweilen wirkt das grüblerisch oder auch dümmlich, vielleicht rührt daher das Vorurteil vom dummen Kamel.)

Kamelschaedel

Für einen Pflanzenfresser besitzen die Wüstentiere ein beeindruckendes Gebiss. Sie haben 30 bis 34 Zähne. Spitze Kampfzähne wachsen bei den Kamelhengsten, wenn sie geschlechtsreif werden. Der Oberkiefer bei Stuten und Hengsten weist eine zusammenhängende Kauleiste auf – diese ist hart und hornartig. Innen sind die Kamelbacken mit konischen Papillen (Erhebungen) bedeckt, die nach hinten geneigt sind. Der lange Gaumen ist verhornt bzw. lederartig und schützt so vor Verletzungen bei entsprechend karger – harter, struppiger, dorniger oder stacheliger – Kost. Kamele besitzen einen etwa fussballgroßen Brüllsack. Dabei handelt es sich um das aufgeblähte Gaumensegel. Es hängt überwiegend brünstigen Kamelhengsten aus dem Maul.

Die Zunge ist relativ klein und beweglich. An jeder Seite hat sie fünf bis sieben große Papillen. Das Gebiss unterscheidet sich deutlich von dem der eigentlichen Wiederkäuer (Ruminantia). Spitze Eck- und Backenzähne sowie Fangzähne fallen dabei besonders auf. Die Speicheldrüsen ähneln denen der Wiederkäuer.


Kehlkopf und Speiseröhre

Der Kehlkopf gleicht einer länglichen schmalen Röhre, deren geringste Verengung ihn in zwei Kammern teilt. Die Speiseröhre misst zwischen einem und zwei Metern Länge. Sie ist recht breit mit entsprechend großer Aufnahmekapazität. In ihr befinden sich Drüsen, die zum Einspeicheln der Nahrung dienen.


Der Kamel-Magen hat drei Kammern

Cameliden besitzen einen Magen mit lediglich drei Kammern. Anatomisch unterscheidet sich der Kamel-Magen von denen der Ruminanten (Wiederkäuer) insofern, dass keine sichtbare Trennung zwischen der dritten und vierten Kammer vorhanden ist. In Fachkreisen werden die verschiedenen Bereiche des Kamelmagens mit denselben Begriffen bezeichnet wie die entsprechenden Magenabschnitte der Wiederkäuer.

Dabei ist ungeklärt, ob die analogen Bereiche auch die gleiche Funktion bei Schwielensohlern und Wiederkäuern erfüllen. Den „Drüsensack“ Pansen deuteten Biologen früher als einen Wasserspeicher. Er besteht aus einer Anzahl von kleinen durch Schleimhautfalten getrennten Kammern. Die Schleimhaut ist mit einem säulenartigen Epithel bedeckt, das bis zu 100 Millionen kurze röhrenförmige Drüsen aufweist. Übrigens sind beide Vormägen bei Kamelen – im Gegensatz zu den wahren Ruminanten – mit Drüsen ausgestattet. Auch im Netzmagen (Reticulum) und dem Blättermagen sind ähnliche Drüsen-Gebilde vorhanden. Sie fungieren als Gärungsgebiete und sondern vermutlich Enzyme ab, die die Resorption der Nahrung ermöglichen. Der Pansen der Tylopoden (Schwielensohler) führt im wesentlichen vergleichbare Funktionen aus wie der der wahren Wiederkäuer. Der Inhalt des Pansens beträgt etwa 11 bis 15 Prozent des Gesamtkörpergewichts der Wüstentiere. Während bei den Tylopoden die Speiseröhre direkt in den Pansen mündet, endet sie bei den Wiederkäuern zwischen Pansen und Reticulum (Netzmagen). Der Netzmagen des gemeinen Ruminanten weist außen eine wabenähnliche Struktur auf. Beim Kamel hingegen sieht der Drüsenmagen von außen so aus wie der Netzmagen.


Eingeweide beim Kamel

Beim voll ausgewachsenen Dromedar (dem einhöckrigen Kamel) ist der Dünndarm etwa 40 Meter lang. Ein Kanal von der Bauchspeicheldrüse und der Leber öffnet sich in den geschlungenen Zwölffingerdarm (Duodenum). Der beachtliche Leerdarm (Jejunum), der sich an den Zwölffingerdarm anschließt, nimmt den größten Teil des Bauchraums ein. Entlang des Jejunum verläuft eine Kette von Lymphknoten. Die Lymphknoten des Hüftdarms (Ileum) vereinigen sich mit denen des Dickdarms. Dieser wiederum ist beim Dromedar um die 20 Meter lang und weist einen Blinddarm auf. Auch der Grimmdarm – ein Teil des Darms vor dem Rektum / Mastdarm – ist bei so einem imposanten Tier wie dem Dromedar beachtlich. Er befindet sich auf der linken Seite des Abdomens in einer großen Darmfalte. Dort, wo sich der Grimmdarm verjüngt, findet die hauptsächliche Resorption des Wassers statt. Die Versorgung des Dickdarms mit Lymphflüssigkeit konzentriert sich überwiegend am Eingang und am Endstück des Dickdarms an der Stelle, wo der Grimmdarm in den Mastdarm übergeht.


Leber, Bauchspeicheldrüse und Milz des Kamels

Die Leber ist deutlich gelappt und enthält reichlich Interlobular-Gewebe. Das Kamel hat keine Gallenblase. Gallengang und Bauchspeicheldrüsenkanal sind beim Eingang zum Duodenum zusammengefasst. Die Milz ist nicht am Diaphragma (Zwerchfell) befestigt, sondern an der oberen linken Seite des Pansens. Das Bauchfell (die innere Auskleidung des Bauchraums) entspricht dem des Rindes.